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Biel 2009 Christian Cullmann

„Die Nacht der Nächte“

Was für den Bergsteiger Patagonien oder der Everest ist für Triathleten der Ironman auf Hawaii. Für unsere Läufer ist Biel der Everest der Läufer. Die 51. Bieler Lauftage waren dieses Jahr Ziel von 4 Läufern aus Nürnberg. Unter der Laufgruppe Never Walk Alone, die sich gemeinsam auf den Marathon in unserer Partnerstadt Nizza vorbereitet, laufen jeden Sonntag unscheinbar 3 Läufer, die wohl etwas mehr Kilometer laufen als alle anderen. Mario, Dieter und Bernhard bereiten sich seit November 2008 auf einen 100 km Lauf vor, der in Läuferkreisen berüchtigt ist. Mit sonntäglichen 20-40 km und Wochenumfängen von 80–100 km fühlten sich unsere 3 Helden der Herausforderung von Biel gewachsen. So stiegen Sie am Freitag um 12:00 Uhr mittags in den vereinseigenen Bus, um einen kleinen Traum wahr werden zu lassen. Unser Fahrer Philipp (ein sehr sportlicher Fahrer) brachte uns sicher über die Schweizer Grenze nach Biel, wo schon alles für uns vorbereitet war. Wer schon einmal auf Sportveranstaltungen unterwegs war wird diese Atmosphäre kennen die sich schwer in Worte fassen lässt. Der Start- und Zielbereich war schon hergerichtet, der Zielkanal für die Finisher war ebenfalls schon abgesperrt, um den Läufern einen gebührenden Empfang zu geben. Jeder Läufer muß hier durch und jeder einzelne wird hier mit einer Gänsehaut und einem breiten Grinser auf dem Gesicht durchlaufen. Aber für unsere Helden ist das bisher nur ein Traum. Vor dem Start gilt es noch einiges zu erledigen. Zunächst mussten wir unseren Philipp noch für seine Mission Halbmarathon anmelden und für unsere 3 Läufer die Startunterlagen abholen. Nun galt es noch, mich als Radbegleiter anzumelden. Schließlich benötigt man für gute Leistungen gute Betreuung und das das war der Job von Philipp und mir. Wobei ich auf der Laufstrecke die Betreuung übernahm und Philipp sich um den Transport kümmerte. Nun, das war erledigt, die Nervosität wurde immer spürbarer und unsere Läufer immer hibbeliger. Im Start- und Zielbereich nutzten wir die Gelegenheit, uns vor unserer Mission zu stärken und luden unsere Speicher noch einmal mit reichlich Kohlehydraten in Form von Spaghetti und roter Soße voll. Das Treiben nahm merklich zu und die Temperatur in dem Zelt mit hunderten Schweizer Bierbänken stieg langsam an. Für uns wurde es Zeit, noch einmal zur Ruhe zu kommen. So entfernten wir uns etwas vom Trubel und legten noch einmal für 2 Stunden die Beine hoch, um etwas Kraft zu sparen für die „Nacht der Nächte“.

Nun ging’s los, die zwei Radtaschen wurden mit reichlich Verpflegung bestückt. Wer nun erwartet, unsere Läufer hätten sich Gedanken gemacht, was sie unterwegs essen müssen liegt falsch. Das was unsere 3 Helden in die Satteltasche stopften hätte locker für 500 km gereicht - aber man weiß ja nie was so passiert. Und so rollte ich mit prall gefüllten Taschen und vollen Radflaschen zum Start.

Ein kleiner Auszug aus dem Inhalt der Satteltasche. Mario: Butterbrote, vorzugsweise mit Nutella aber auch mit Wurst waren dabei. Für die Angst vor einem Hungerast gab es noch reichlich Energieriegel. Dieter: Dieter hat einfach alles mitgenommen was er gerne mag. Kartoffeln mit Salz, Kuchen, Kekse. Bernhard: Geräucherte Wurst, trockenes Brot und eine Flasche Cola. Was er sonst noch dabei hatte sag ich nicht.

22:00 Uhr es geht los

Die Radbegleiter stießen erst 20 km nach dem Start auf ihre Läufer. Diese Maßname ist einleuchtend, denn wenn die ganze Meute losrennt ist nicht wirklich viel Platz für den Radler. Nach 20 km ist das Feld aber schon so weit auseinander gezogen, dass die Radler ihren Platz hinter den Läufer einnehmen können. Nun wartete ich also auf dem warmen Asphalt sitzend auf meine drei Schützlinge und wurde selbst immer Hibbeliger. Endlich waren sie da und plünderten erst mal die Satteltaschen. Sofort geht’s weiter und endlich begann auch für mich das Rennen. Kurz nach dem Ort in dem ich war wartete die erste Steigung auf uns, die wie geplant in einem schnellen Walkingschritt gemeistert wurde. Alles in allem lief jetzt alles wie geplant. Dieter hatte zwar bei km 30 oder 40 einen Durchhänger, aber Gott sei dank hat er sich wieder gefangen und so liefen die 3 einen flotten Schritt durch das Bieler Umland. Noch waren lockere Sprüche und Witze zu hören und zwar von allen einschließlich von mir. Je weiter die Zeit voranschritt desto ruhiger wurde es unter uns.

Nach 70 km begann das Rennen. Die Unbeschwertheit des Laufens war weg. In den Gesichtern unsere Helden war zwar niemals ein Zweifeln zu erkennen aber sie wussten alle, dass nun die Zeit gekommen war, auf die antrainierten Reserven zurück zu greifen. Bernhard machte die Pace und achtete auf die Leistungsfähigkeit seiner Schützlinge. Wie ein kleiner Zug liefen die 3 ihr Tempo und ließen sich nicht aufhalten. Verpflegung gab es von mir - Getränke von den Stationen. Ich versorgte die 3 permanent mit Wasser und Applaus und tat mein Bestes, um die Jungs anzufeuern.

Ich war permanent am Fotografieren und Filmen und war mit meinen Anfeuerungsrufen und Gerassel nicht wirklich beliebt im Läuferfeld. Aber meine Jungs brauchten mich und so nahm ich es in Kauf,  böse Blicke von den anderen Läufern zu ernten. So ist das nun mal.

Je näher wir dem Sonnenaufgang kamen, desto besser wurde die Stimmung. Auch bei den anderen Läufern, die mein Gerassel und mein Anfeuern nun nicht mehr für schlimm empfanden. Nun lief es wieder.

Nach 80 km, ja nur 10 km später, begann der Kampf um Biel. Ich beteuerte, dass sie alle noch Gut aussehen würden aber mir wurde nicht geglaubt. Auch meine Rassel wurde ignoriert und dass sie die 20 km jeden Sonntag locker gelaufen sind half ihnen zu diesem Zeitpunkt auch nicht weiter. Ich war sozusagen am Ende und irgendwie verstand ich auch warum sie so reagierten. Sie waren ganz einfach platt und ihrer persönlichen Leistungsgrenze vermutlich näher als jemals zu vor. Nun begann das Rennen in deren Köpfen.

Nach 85 km kam der Punkt, an dem das Laufen nicht mehr vernünftig möglich war. Jeder Schritt schien Mario und Dieter enorme Kraft zu kosten. Das Anlaufen nach den langen Gehpausen wurde zu einem Kampf der immer wieder von vorn gekämpft werden musste. Von nun an machte es mir keinen Spaß, mehr das anzuschauen.

In den Gesichtern war jeder einzelne Kilometer zu sehen. Die Körperhaltung verrät, dass nur noch wenig Spannung vorhanden ist, um den Körper aufrecht zu halten. Die Arme wurden immer öfter ausgeschüttelt und hingen ermüdet am Körper herunter. Selbst das schnelle Gehen war einem normalen Gehtempo gewichen. Und nach 12 Stunden und einer Nacht auf den Beinen kann man die Schweizer Sonne die auf uns hinunter brannte nicht mehr wirklich geniessen.

Nach 95 km verließ ich die 3 und machte mich auf den Weg ins Ziel, um mich mit Philipp und Annette für das Gejubel zu rüsten.

Man mag es kaum glauben aber die drei sahen beim Zieleinlauf richtig glücklich aus. Mario verdrückte ein Glücksträne, Dieter erdrückte fast seine Frau und Bernhard war einfach nur Stolz auf die 2 und seinen dritten Bielfinish.

Ich beneide Euch um dieses Erlebnis, das Euch keiner mehr nehmen kann.

Herzlich Glückwunsch an
Philipp, der einen Halbmarathon bei völliger Dunkelheit finishte.
Mario und Dieter, die nun richtige Ultramarathon Läufer geworden sind und Bernhard, der den ganzen Mist schon das dritte mal gemacht hat.

Achtung Biel ist Ansteckend
Viele Grüße
Christian Cullmann

Team Never Walk Alone Nürnberg vor dem Start

von links: Dieter Rudloff, Mario Pfennig, Christian Cullmann, Bernhard Nuss und Philipp Sauerteig.

Zieleinlauf Team Never Walk Alone Nürnberg

von links: Dieter Rudloff, Bernhard Nuss und Mario Pfennig.

Team Never Walk Alone Nürnberg

von links: Mario Pfennig, Dieter Rudloff, Bernhard Nuss, Christian Cullmann und Philipp Sauerteig.