Hamburg Marathon von Phillip Sauerteig
Los gings für uns (Brigitt und Robert, Ela und Dieter, Pia und Sascha und Philipp) am Freitag um 15:00 am Valznerweiher. Die andere Hälfte des Teams ist Freitag früh schon gestartet (Peter und Uschi, Michi) bzw sind frisch aus dem Urlaub nach Hamburg angereist. Freitag Abend um 22:00 gabs dann das große Hallo in Hamburg und nach sieben Stunden fahrt ein kleines Bierchen zur Erfrischung. Samstag früh war um 8 Uhr Start zum traditionellen Einlaufen, danach ein Frühstück das absolut keine Wünsche offen lies und ab nach Hamburg um die Startunterlagen zu holen und bisl die Stadt zu erkunden. Mit dem kostenlosen Shuttle-Service gings zum Schuppen 52 im Hamburger Hafen. Dort war in einem echt urigen Schuppen die Ausgabe der Startunterlagen und die obligatorische Messe für die Läufer. Unter den über 15.000 Besuchern findet das Team aus Nürnberg schnell "alte Bekannte" (Mario und Nicloe). Nach gut einer Stunde auf der Messe haben wir uns dann auf den Weg nach Hamburg gemacht. Bei einem gemütlichen Cappucino an der Alster haben wir zufällig meiner Eltern getroffen, die extra nach Hamburg gekommen sind um mich zu unterstützen und anzufeuern. Jeder hatte dann gute 3 Stunden Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Zurück in der Unterkunft wars Zeit für die traditionelle Nudel-Party vor dem Rennen. Peter hat ein fantastisches Essen gezaubert. Satt und Müde sind wir dann auch ziemlich schnell ins Bett.
Sonntag um sechs war Frühstück (nicht ganz so üppig wie am Samstag), um 7:15 war Abfahrt. Kurz nach 8:00 Uhr waren wir dann zusammen mit 15.000 anderen Läuferinen und Läufern im "Runners-Village". Kleiderbeutel abgeben, nochmal aufs Dixie und die letzten Vorbereitungen bis zum Start. Ein letztes Teamfoto, dann der Abschied von den schnellen Läufern Peter und Michi. Bei noch kühlen Temperaturen, strahlend blauem Himmel und dem in Hamburg üblichen Wind war pünktlich um 9:00 Uhr Start. Trotz des riesigen Gedränges ist es uns gelungen zusammen zu bleiben und zusammen über die Startlinie zu laufen. Bereits hier war die Unterstützung der Zuschauer fantastisch, Musik aus allen Fenstern, die Leute haben geschrien, getrötet und mit den unglaublichsten Sachen eine unglaubliche Stimmung gesorgt. Schnell hatten wir unser Lauftempo gefunden und sind mit bester Laune die ersten Kilometer durch Hamburg gelaufen. Ziemlich schnell war uns klar, dass wir mit unseren Team-Shirts (strahlend Gelb mit silberner Aufschrifft) auffallen wie bunte Hunde.
Absolut unglaublich wie wir damit als Team angefeuert wurden : ein "HEYYYY, TEAM NÜRNBERG!!!!" kam alle zwei bis drei Minuten von irgendeiner Strassenseite und wurde von uns mit "Frankenpower" beantwortet. Nicht nur ich hab das als sehr persönliche Unterstützung der Zuschauer empfunden und genossen. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich noch nicht, dass dieses "HEYYY, TEAM NÜRNBERG" uns bis zum letzten Meter begleiten und motivieren sollte.
Sogar die Läufer um uns rum haben uns dadurch als Team wahrgenommen und uns angesprochen. Und plötzlich waren auch schon die ersten 10 Kilometer rum. Wahnsinn wie schnell das ging; einfach nur laufen, die Sonne und die Stimmung geniessen und schon gings Richtung Landungsbrücken. Der Empfang alle Läufer dort war besser als bei manch anderem Lauf im Ziel!!! So viele Menschen am Strassenrand, eine Jubel wie wenn Deutschland ein Tor im WM-Finale schießt. Die Anwohner haben auf Ihrem Balkon gestanden, laute Musik gehört und getanzt. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, weit und breit keine Wolke. Wie Brigitt und Uschi gelungen da einen relativ einsamen Platz gefunden haben, so dass wir Sie auch sehen konnten ist mir ein Rätsel und nur die erste der vielen, vielen kleinen, unglaublichen Geschichten die wir an diesem Tag erleben durften. Nächster Höhepunkt war ein Tunnel; für gut fünf Minuten gings "unter Tage" weiter. Und nachdem im Tunnel keine Zuschauer waren haben wir Läufer einfach selbst alle 30 Sekunden eine La-ola-Welle gestartet. Wahnsinn was das für einen Sound in so einem Tunnel erzeugt; Gänsehaut pur. Kurz nachdem Tunnel hab ich auch meine Eltern unter den Zuschauern entdeckt; Mike hat den Moment im Bild festgehalten. Bis Kilometer 20 gings dann entlang der Alster. Am Strassenrand unglaublich viele Menschen die Ihren Frühstückstisch (inkl. Champagner) einfach ins Freie gestellt haben, dazu gute Musik und beste Laune unter Läufern und Zuschauern. Dann war auch schon die erste Hälfte geschafft, die Sonne hat mittlerweile für recht ordentliche Frühlingstemperaturen gesorgt. Dankbar haben wir jede Erfrischung angenommen. An dieser Stellen ein Kompliment an die Organisatoren und die Helfer an den Verpflegungsständen. Wer jetzt noch der Meinung war, die Hamburger sind ein steifes Volk, der soll mal in Hamburg laufen. Die nächsten 21 Kilometer sollten die ersten 21 noch übertreffen.
Bei Halbzeit hat sich Mike als rasender (oder besser laufender) Reporter entpuppt und via iPhone erste Interviews mit dem Team geführt. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Fünf Kilometer Interviews geführt und die aktuelle Lage festgehalten. Danke Mike, dass hat mich echt motiviert und jeden Anflug von schlechter Stimmung oder Erschöpfung vertrieben. Die nächsten Kilometer führten uns durch eine etwas besseren Gegend von Hamburg. Was die Hamburger nicht nur da auf die Beine gestellt haben um uns Läufer zu unterstützen ist nicht zu beschreiben. Musik aus jedem Fenster, Lautsprecher wie sie von Bands auf Konzerten verwendet werden wurden im Garten aufgestellt, tanzende Menschen am Strassenrand und auf den Balkonen und immer noch diese "HEYYYY, TEAM NÜRNBERG!!!!". Ich krieg jetzt noch ne Gänsehaut wenn ich dran denk. Die Leute haben komplette Bands am Strassenrand aufgebaut, inklusive Schlagzeug, Bass, Gitarre, verstärker, Boxen..... ich liebe Livekonzerte, aber bei einem Marathon hab ich echt nicht damit gerechnet!!!Das war ja fast wie bei Rock im Park..... Und ihr glaubt nicht, wer da alles gefeiert hat. Vom Studenten, über Motoradclubs, Schikeria, Sambagruppen, der Professor...einfach alle, egal welche Hautfarbe, welcher Beruf oder welche Einstellung ein Mensch auch hat, die haben sich selber und jeden einzelnen Läufern einfach gefeiert.
Ward ihr schon mal auf ner Party mit über 850.000 Menschen???
Sascha hat keine Gelegenheit ausgelassen, die Zuschauer zu einer kleinen La-ola zu animieren, Mike hat fotografiert und gefilmt, Nicole seit dem Start die Pace gemacht, Robert hat fürs "Gschmarri" gesorgt.. so hat jeder zum Erfolg des gesamten Teams beigetragen. Und wir waren von Anfang an auf absolutem Bestzeit-Kurs!!!!! Mittlerweile war Kilometer 30 erreicht; für mich der Zeitpunkt mich auf meinen nächsten emotionalen Höhepunkt vorzubereiten: Kilometer 34. Weiter bin ich noch nie gelaufen. Es tut körperlich zwar weh, wenn dir nach 34 Kilometern einer auf die Schultern klopft, aber der Motivations-Schub ist unglaublich. Danke an das gesamte Team!!! Ab jetzt gings nur noch Richtung Ziel. Eigentlich das selbe wie auf den letzten 34 Kilometern: "HEYYYY, TEAM NÜRNBERG", Mike ein Interview geben, Sascha und Pia bewundern wie sie sich durchbeißen, a weng a Gschmarri mit Robert, und Nicole als großen Rückhalt, Party, Stimmung, Sonne,..... Aber auch Schmerzen und Erschöpfung sind nun immer dabei und ein ständiger Begleiter auf den nächsten 5 Kilometern. Bis Kilometer 40 wars für mich jetzt ganz hart. Alle 500 Meter hat sich meine persönliche Stimmung nun um 180 Grad geändert; Wut, Freude, Stolz, Schmerz, Tränen... da war einfach alles dabei. Und jetzt kommt der absolute Hammer: bei KM 38 folge ich dem Ruf der Natur in den nächsten Busch und muß natürlich die verlorene Zeit wieder reinlaufen. Auf einmal schreit einer am Strassenrand: "Allmächd, Närmberch!!!!" Mitten in Hamburg!!!
Und plötzlich das Interview mit Mike bei Kilometer 40!!! Klar lüg ich in die Kamera und erzähl cool und locker wie gut´s mir geht!!! Ich lad jeden, der mir das Gschmarri von guter Laune und "kein Problem" jetzt noch glaubt, mal zu nem Marathon ein. Das ist echt kein Zuckerschlecken!! Das einzige was mich jetzt rettet sind diese einmaligen Freunde, die mich vom Start bis ins Ziel
begleitet, motiviert, erheiter, getröstet und von negativen Gedanken abgelenkt haben. Und dann gehts um die Letzte Kurve, "Da vorn is das Ziel!!!" Klar lassen es sich auch meine Eltern nicht nehmen, mich 500 Meter vorm Ziel noch mal in die Arme zu nehmen ud mich anzufeuern. Wir formieren uns zu einer Kette, laufen nebeneinander Hand-in-hand ins Ziel und alle um Menschen um Dich rum feiern!!!!
Das Video vom Zieleinlauf findet Ihr auf der Homepage von Never Walk Alone.
Und dann fällt mit einem Schlag alle Anspannung und Anstrengung von mir ab. Alles ist vergessen, wir liegen uns in den Armen, jeder is glücklich und stolz über die eigene Leistung, über das Team von Never Walk Alone und die Leistung der Anderen. Jeder von uns ist an diesem Tag Bestzeit gelaufen!!!!! Wie soll ich das beschreiben??? Einfach unglaublich und einmalig. Dann legt Dir eine hübsche, junge Dame die Medaille um den Hals, drei Fotografen sprechen Dich an "Philipp, ein Foto!".... Einfach nur genießen, den Moment speichern und für immer festhalten.
Im Runners-Village gabs Verpflegung und ein alkoholfreies Weizen, wahnsinn schmeckt das gut, die Medaille um baumelt endlich um Deinen Hals.
Am vereinbarten Treffpunkt warten neben dem gesamten Team auch meine Eltern. Mit der S-Bahn gings zurück in die Unterkunft, Duschen, Wunden-lecken, Treppen möglichst vermeiden... dann erstmal kaffee und Kuchen und ne Stunde schlafen. Sascha kocht so lang für das ganze Team. Danach noch ein kleine Bierchen und ab zum Bahnhof, auf Robert, Brigitt und mich wartet der Zug nach Nürnberg. Müde, aber glücklich und stolz bin ich Montag früh um halb zwei zurück in Nürnberg. Es wird wohl noch einige Tage dauern, bis ich alle Eindrücke der letzten drei Tage verdaut habe. Aber ich werde ewig davon zehren, mich immer daran erinnern und Kraft daraus schöpfen.
Mein ganz persönlicher Dank geht an jeden einzelnen aus dem Team von Never Walk Alone:
- meine Eltern, für Alles was Ihr für mich getan habt
- Peter, für die Witze und die Spaghetti
- Mike, für den besten Cappucino der Welt und für die Interviews beim Laufen
- Nicole, für die Organisation, die gute Laune und den Rückhalt den Du mir gibst
- Robert, fürs "Gschmarri" und die Bierchen
- Uschi und Brigitt fürs anfeuern und für die Unterstützung
- Ela, Dieter und Michi dafür, dass Ihr uns die nächsten Ziele gesetzt habt und uns nicht in ein Loch fallen lasst
- Pia und Sascha dafür, dass Ihr Euch durchgebissen habt, das hat mich unheimlich motiviert
- Alle von Never Walk Alone für die Unterstützung während der unzähligen Trainingskilometer und die vielen Glückwünsche
Philipp Sauerteig








































































